Wo sind wir mit unseren Gedanken?

Wie oft sind wir mit unseren Gedanken in der Vergangenheit verhaftet? Wie oft machen wir uns Gedanken, um Dinge, die vielleicht in der Zukunft geschehen werden, denken uns Szenarien aus, was wir sagen und tun werden? Wir führen gedankliche Streitgespräche mit Mitarbeitern, Kunden, Freunden, Partnern. Machen uns Sorgen um Dinge, die längst geschehen sind oder vielleicht gar nicht geschehen werden. Wir verschwenden viel Energie damit, gedanklich in der Vergangenheit und in der Zukunft zu kreisen und vergessen dabei, gegenwärtig zu sein. Wie oft versäumen wir, den Augenblick zu erleben für eine konstruierte Gedankenwelt, in der wir emotional verhaftet bleiben und die mit den gegenwärtigen Ereignissen nichts mehr zu tun hat? Mit unseren Gedanken bleiben wir oft an vergangenen Ereignissen hängen, die längst geschehen sind und auf die wir keinen Einfluss mehr haben.

Dazu eine kleine Geschichte:

Zwei Mönche, der eine bejahrt, der andere noch ganz jung, wanderten im Regenwald einen schlammigen Pfad entlang. Sie waren auf dem Heimweg zu ihrem Kloster. Da begegneten Sie einer schönen Frau, die hilflos am Ufer eines reißenden Flusses stand.

Der alte Mönch, der die Not der Frau erkannte, hob sie auf seine starken Arme und trug sie hinüber. Sie lächelte und schlang ihre Arme um seinen Hals, bis er sie am anderen Ufer sanft absetzte. Mit einer anmutigen Verbeugung dankte sie ihm, und die Mönche setzten schweigend ihren Weg fort.

Nicht weit von der Klosterpforte konnte der junge Mönch nicht länger an sich halten: “Wie konntest Du nur eine schöne Frau in die Arme nehmen? So etwas ziemt sich nicht für einen Mönch!” Der alte Mönch sah seinen Gefährten an und sagte: “Ich habe sie dort zurückgelassen. Trägst Du sie immer noch?”

Um weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft verhaftet zu sein, ist es erforderlich, unsere Gedanken und unsere Gefühle zu beobachten, wahrzunehmen und - wie der ältere Mönch - einfach loszulassen. Nicht kontrollieren, nicht bewerten, nicht ändern wollen, sondern nur wahrnehmen, das Herz entspannen und loslassen.Wenn wir einmal anfangen, unsere Gedanken zu beobachten, werden wir feststellen, wie oft wir uns in der Vergangenheit oder Zukunft gedanklich befinden und wie selten wir wirklich im “Jetzt” leben. Wir lernen viel über uns selbst, unsere Gedankengebäude, die wir im Laufe des Lebens aufgebaut haben, über unsere Ängste und Bedürfnisse. Wir begeben uns auf eine spannende Reise zu uns selbst…

© ita est

 

 

 


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